Räuchern mit Katzen: Was ich als Verhaltensbiologin gelernt habe

Kategorie: Mensch & Tier

Datum: Donnerstag, Juni 18

Inhaltsverzeichnis

Ist Räuchern mit Katzen eigentlich sicher? Diese Frage stellte ich mir erst, als unser Kater Arvid bei uns einzog. Dabei gehörte Räuchern damals bereits seit Jahren zu meiner spirituellen Praxis. Wie ich heute sicher mit Haustieren räuchere, erfährst du in diesem Artikel.

Als mein Kater Arvid mir das Räuchern neu beibrachte

Als ich 2015 einige Zeit bei den Ainu in Japan verbringen durfte, begegnete ich nicht nur einer völlig anderen Sicht auf die Natur. Zum ersten Mal erlebte ich eine Kultur, in der Flüsse, Berge, Tiere und Pflanzen als beseelt betrachtet werden.

Bei den Ainu lernte ich auch, wie wichtig das Verräuchern von Pflanzen während schamanischer Arbeit sein kann. Die Ainu nutzen dafür traditionell büschelweise japanischen Beifuß – Yomogi genannt.

Zurück in Deutschland bestellte ich mir sofort meine eigene Räucherschale und alles, was ich sonst noch brauchte. Schnell gehörte das Verbrennen von Kräutern und Harzen zu meiner täglichen Praxis. Es gab mir Ruhe, Klarheit und Erdung.

Einige Monate später zog Arvid bei uns ein: ein sibirischer Waldkater mit wunderschönen blauen Augen. Als Verhaltensbiologin wusste ich, dass Tiere – und ganz besonders Katzen – empfindlich auf ätherische Öle reagieren können. Stets hielt ich meine Hausapotheke aus Pfefferminz-, Nelken- und Teebaumöl sicher verwahrt.

Ich wollte Arvid auf keinen Fall mit meiner Räucherpraxis in Gefahr bringen.

Was mir damals jedoch nicht bewusst war: auch der Rauch von verbrannten Kräutern und Harzen kann für Tiere giftig sein. Für mich war Räuchern etwas Natürliches. Etwas Gutes.

Bis ich zufällig einen Artikel fand, in dem davor gewarnt wurde, bestimmte Räucherstoffe in Haushalten mit Tieren oder Schwangeren zu verwenden. Ich weiß noch, wie ich den Artikel las und dachte: „Moment mal ... wenn das stimmt, was bedeutet das für Arvid?“

Plötzlich war Räuchern nicht mehr nur ein spirituelles Ritual. Es wurde zu einer Frage von Verantwortung. Damit veränderte sich für mich etwas Grundlegendes: Passte mein geliebtes Räuchern eigentlich noch in ein Leben mit einem Tier? Was durfte ich, und was nicht?

Warum Katzen empfindlich auf Rauch und ätherische Öle reagieren

Hunde, Katzen und andere Haustiere nehmen ihre Umwelt anders wahr als wir. Ihr Geruchssinn ist oft um ein Vielfaches feiner, als der des Menschen. Wo wir kaum etwas riechen, fühlt sich dieselbe Situation für Hund oder Katze möglicherweise an, als müssten wir stundenlang in einer Parfümerie stehen.

Und anders als wir können viele Tiere nicht einfach den Raum verlassen, wenn es ihnen zu viel wird. Arvid sollte zwar langfristig ein Freigänger werden, doch die ersten Wochen musste er zur Eingewöhnung im Haus bleiben.

Der vielleicht größte Irrtum in Sachen Räuchern ist, dass es sich ja um natürliche Wirkstoffe aus Pflanzen handelt. Keine künstlichen Stoffe, die im Labor hergestellt wurden. Kein schädlicher Zigarettenrauch. Doch natürlich bedeutet nicht automatisch sicher.

Salbei, Beifuß, Weihrauch und andere traditionelle Räucherpflanzen haben eine lange Geschichte. Sie werden seit Jahrhunderten in Ritualen verwendet und wirken auf den Menschen – genau deshalb schätzen und nutzen wir sie.

Häufig wird weißer Salbei zur Räucherung verwendet. Der Rauch kann bei empfindlichen Tieren die Atemwege reizen.

Unabhängig davon, welche Pflanze verbrannt wird, entstehen beim Räuchern Rauchpartikel und Verbrennungsprodukte. Diese können die Schleimhäute und Atemwege reizen. Symptome wie Husten, Niesen, tränende Augen, Unruhe oder Rückzugsverhalten können bei unseren Tieren auftreten.

Besonders empfindlich reagieren:

  • Katzen
  • Vögel
  • ältere und schwangere Tiere
  • Tiere mit Atemwegserkrankungen und geschwächten Immunsystem

Räuchern mit Katzen: Wie sich meine Praxis verändert hat

Als Arvid noch klein war, habe ich komplett damit aufgehört, im Haus zu räuchern. Ich ging stattdessen in den Garten oder in den Wald. Meine Räume hielt ich mit Rasseln, Klangschalen und Trommeln "sauber".

Inzwischen ist Arvid 7 Jahre alt und liebt es, lange draussen herum zu streifen. Theoretisch könnte ich wieder drinnen Räuchern - wenn da nicht Fiona wäre. Fiona ist eine Norwegische Waldkatzen-Schönheit, die wenige Jahre nach Arvid zu uns kam. Sie ist ebenfalls Freigängerin, verbringt jedoch deutlich mehr Zeit auf unserem Sofa als draußen.

Deshalb gilt für mich bis heute der Grundsatz: Sind meine Katzen im Haus, räuchere ich nicht. Keine Räucherstäbchen, keine Duftkerzen, keine Aromalampen. Ich nutze inzwischen sogar parfümfreie Seifen und Waschmittel. Denn auch für uns Menschen sind Duftstoffe auf Dauer eine Belastung für die Nase.

Möchte ich doch mal in den Räumen räuchern, warte ich, bis beide Katzen länger das Haus verlassen. Dabei nutze ich statt "aggressiven" Pflanzen wie Weihrauch oder Beifuß mildere Alternativen wie Lavendel oder Rosenblüten.

Nach dem Räuchern lüfte ich den Raum mindestens eine Stunde mit offenen Türen und Fenstern durch. Erst danach dürfen die beiden wieder ins Haus. Mit dieser Praxis kommen sowohl ich als auch meine Katzen wunderbar zurecht. 

Meine beiden Waldkatzen Arvid (links) und Fiona (rechts).

Sicher räuchern mit Haustieren: Meine wichtigsten Regeln

Ja, es stimmt. Heute räuchere ich deutlich seltener als früher. Nicht, weil ich weniger spirituell geworden bin. Ganz im Gegenteil. Meine Tiere haben mich daran erinnert, dass Spiritualität bedeutet, wie wir in dieser Welt auftreten. Wie wir uns verhalten. Dass wir Verantwortung für uns und unsere Umwelt übernehmen müssen.

Arvid hat mir letztlich nicht das Räuchern genommen. Er hat mich dazu gebracht, bewusster damit umzugehen.

Wer einige einfachen Regeln beachtet, kann spirituelle Praxis und Tierwohl gut miteinander verbinden - selbst in einem kleinen Haushalt mit Hund oder Wohnungskatzen. 

  1. Tiere vor dem Räuchern aus dem Raum bringen - gib ihnen die Chance, sich zurückzuziehen.
  2. Kurz und bewusst Räuchern - es braucht keine Unmengen an Weihrauch, um deine Räume zu reinigen.
  3. Gründlich lüften - solange, bis nichts mehr zu riechen ist.
  4. Auf die Reaktion deines Tieres achten - niesen dein Hund oder Katze häufig?

Heute weiß ich: Räuchern ist ein effektives Mittel, um sich und seine Wohnung zu reinigen. Gleichzeitig gibt es noch weitaus mehr Methoden. Du kannst rasseln, singen oder trommeln.

Wenn Arvid und Fiona entspannt auf dem Sofa schlafen, während die Fenster weit offen stehen und frische Luft durchs Haus zieht, dann fühlt sich das für mich nach der besten Form von Schutz für mein Zuhause an.

Mein Fazit: Räuchern und Katzen müssen kein Widerspruch sein

Räucherst du selbst zu Hause? Hast du deine Praxis verändert, seit ein Hund oder eine Katze bei dir eingezogen ist? Oder hast du vielleicht ganz andere Erfahrungen gemacht?

Schreib mir gerne in die Kommentare. Ich freue mich darauf, von deinen Erfahrungen zu lesen und mich mit dir auszutauschen.

Und wenn du mehr über die Verbindung von Natur, Schamanismus, Wissenschaft und einem achtsamen Leben mit Tieren erfahren möchtest, dann stöbere gerne durch die weiteren Artikel auf „Old Wisdom, New Life“ oder begleite mich auf meinem YouTube-Kanal.

Abonniere auch gern meinen Newsletter, um sofort alle Neuigkeiten auf einen Blick zu erhalten.

0 Kommentare

Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hallo!
Ich bin Maddy

Als Biologin, Autorin und schamanisch Praktizierende schreibe ich leidenschaftlich gern darüber, wie wir unser modernes Leben mithilfe indigenen Wissens glücklicher und zufriedener gestalten können..

Zum
Newsletter
anmelden